fg2000

Bausystem fg 2000 von Wolfgang Feierbach

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2012

Die fg2000 als Fertigbausystem von Wolfgang Feierbach entwickelten Gebäude, sind Qualitativ hochwertige Einfamilienhäuser der 1960/70er Jahre mit den typischen Farb- und Formenmotiven dieser Architektur- und  Designepoche. Aber vor allem sind die fg 2000 Paradebeispiele der Pionierzeit des Bauens mit glasfaserverstärkten Kunststoffen (1942 bis 1980). Der Prototyp wurde 1968-69 als Demonstrationsobjekt errichtet und daraufhin bis 1979 als Büro- und Wohnhaus der Familie Feierbach, danach als reines Bürohaus seiner Firma fg design genutzt. Das 1979 errichtete fg2000 war Wohnhaus der Familie Feierbach.

Wolfgang Feierbach: "Bei der Herstellung großer Möbelteile fiel mir die hohe Stabilität des Kombi-Werkstoffes GFK (Fiberglas) (Glasfaserverstaerktes Polyesterharz) auf, speziell bei der Belastungsfähigkeit der Bettgestelle, aber auch anderer von uns hergestellten Teile. Ich fragte mich, kann man daraus auch ein Haus bauen? und wie könnte das aussehen. Es gab schon Versuche in USA und Finnland. Aber diese Musterhäuser waren so futuristisch in der Form, sie sahen aus wie Raumschiffe aus utopischen Filmen oder es waren doppelgekrümmte Dachschalen wie das Olympia Stadiondach der 1972er Olympiade.

Kein Entwurf war richtig zum wohnen gedacht. Zuerst hatte auch ich die Idee: Ein Haus aus Kunststoff müsste aus einem Stück fugenlos hergestellt sein. Dann waeren aber alle Häuser gleich. Diese Uniformität würde niemandem gefallen, deshalb kam ich auf die Elementbauweise, aber mit stabilen tragfähigen Wandelementen und freitragenden Dachelementen von großer Spannweite. Nach einigen schlaflosen Nächten war der Entwurf in meinem Kopf klar, die Arbeit konnte beginnen." (1963)

1968 konnte der erste Hausprototyp des fg 2000 in Altenstadt aus 13 Dach- und 26 Wandelementen aufgestellt werden. Innerhalb eines Tages wurde das gesamte System auf einem vorbereiteten Mauerwerkssockel mit Betondecke zusammengesetzt. Ohne jegliche Baugenehmigung, denn, so Wolfgang Feierbach: „Wen hätte ich denn um eine solche ansprechen können. Ein solch neues Bauwerk konnte nur als Experiment das Licht der Welt erblicken. Kein Mensch hatte Erfahrung und keine Behörde das Wissen und Können, um es erfragen zu können.“ Aber es war auch Stolz dabei, es allein geschafft zu haben und nun alle zu einer großen Einweihungsfeier einladen zu können.

Aufgrund der Präsentation dieses Kunststoffhauses in der regionalen bis internationalen Presse und Fernsehen erhielt das fg 2000 einen großen Bekanntheitsgrad. 1968/69 kamen täglich ca. 200 Besucher. 1969 vergab das Bundesministerium für Städtebau und Wohnungswesen einen Forschungsauftrag zur Weiterentwicklung des Bausystems, um eine noch größere Flexibilität der Nutzung zu erreichen. Ergebnis waren die positiven und negativen Eckelemente, so dass nun auch Häuser in L-Form, H-Form und Atriumhäuser gebaut werden konnten. Mit wenigen Bauelementen konnte man Wohnhäuser, Bürobauten, Ferienhäuser und Baukörper für welchen Zweck auch immer fertigen. Es sollte kein Typenhaus üblicher Art sein, sondern Feierbach wollte verschiedene Elemente anbieten, aus denen der Architekt dann ein eigenes Haus zusammensetzen konnte.

Nach Prüfungen durch die relevanten Bundesprüfinstitute konnten die oberen Bundesbaubehörden im Oktober 1973 die allgemeine Zulassung für den Bau der fg 2000 erteilen. Die Anzahl der zusätzlichen Nachweise für die Baugenehmigungsverfahren der folgenden fg 2000 wurden wesentlich verringert, da eine Typengenehmigung vorlag. In dieser wurde die Konstruktion zusammengefasst beurteilt, so dass für die Baugenehmigung nur noch diejenigen Unterlagen neu vorgelegt werden mussten, die ganz speziell für das jeweilige Gebäude wichtig waren und nicht allgemein festgelegt werden konnten.

Bis zum Jahr 1979 wurden insgesamt 35 fg 2000 hergestellt: der Prototyp, vier Wohnhäuser in Varianten des weiterentwickelten Bausystems und 30 kleinere für gewerbliche Nutzungen an Flughäfen. z.B. in Frankfurt/M., Berlin Tegel und bei den VDE Prüfstellen.

In Hessen befinden sich jene zwei Bauten des Herrn Feierbach und ein Wohn- und Gewerbehaus in Biblis. Ein weiteres fg 2000 als Wohnbau befindet sich in Erkerode, Niedersachen. Es waren bis 2008 zwei. Jenes zweite wurde aber fachgerecht abgebaut und 2014 in Baden-Württemberg wieder aufgebaut, siehe fg2000 Wiederaufbau.

Ende der 1970er Jahre reduzierten sich die Pressemitteilungen, im gleichen Maße ging auch das Interesse potentieller Käufer zurück. Gleichzeitig machten es die zu hohen Transportkosten in entfernter liegende Gebiete unmöglich, gleich bleibende Preise anzubieten. Die Eröffnung von Zweigbetrieben hätte sich laut Herrn Feierbach wirtschaftlich nicht gelohnt.

Das fg 2000 heute: Die dauerhafte Beanspruchung der gesamten Dachhaut durch Witterung zeigt nach nunmehr 35 Jahren Standzeit ihre Wirkung. Zusätzlich gibt es aufgrund der großen Spannweite von bis zu 10m und speziell der Dehnung bzw. Schrumpfen des Materials aufgrund der Temperaturschwankungen ein dauerhaftes Dichtigkeitsproblem der Fugen, welches immer wieder durch Überlaminat beziehungsweise Flachdachdichtungen partiell behoben wurde. Nach eingehender Besichtigung, Beobachtung und Gesprächen mit z.B. der Bauherrin in Erkerode, wird nun die gesamte Dachhaut mit einer durchgängigen, flexiblen Schutzschicht überzogen. Da das Gebäude seit 2008 als Denkmal gelistet ist, wird dem weitest gehenden Erhalt der originalen Gelcoatbeschichtung und der Ausführung der Dachränder besondere Aufmerksamkeit zuteil.